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Mit einem Klick zum neuen Schuh

Mit einem Klick zum neuen Schuh

Man muss nur einen kleinen Knopf drücken, den Absatz abziehen und einen neuen draufstecken: Die Mannheimerin und Modedesignerin Katrin Leiber möchte die Schuhbranche mit ihrem patentierten System für austauschbare Absätze revolutionieren. Ein Interview.

Wie kamst du auf die Idee, Schuhe mit auswechselbarem Absatz zu designen?

In Mailand, als ich Pumps anprobiert habe, die einen viel zu schmalen Absatz hatten. Ich konnte nicht darauf laufen. Dann habe ich angefangen, ein System für Wechsel-Absätze zu entwickeln. Im September 2018 bin ich mit den Schuhen meiner Marke „Katrin Leiber“ in den Markt eingetreten. Kunden können meine Schuhe entweder über meinen Onlineshop oder in der Textilerei erwerben. Im Showroom stelle ich Einzelanfertigungen her.

Und wie viel kostet der Spaß?

Den Basisschuh gibt es ab 445 Euro, die Absätze beginnen bei 55 Euro können aber bis zu 500 Euro kosten.

Das kann sich aber nicht jeder leisten.

Ich bin im Luxusbereich tätig. Aber mein Ziel ist es, eine Lizenz an Schuhmarken unterer und mittlerer Preiskategorien zu geben. Alle Frauen sollen von meinem patentierten „Klick-System“ profitieren.

Man kann nicht nur das Design variieren, sondern auch die Art des Absatzes. © Katrin Leiber

Wie funktioniert dieses System?

Es basiert auf einem Kern-Mantel-Prinzip: Der Kern ist am Schuh wie ein normaler Absatz befestigt und lässt sich über einen Metallstab mit dem austauschbaren Mantelteil verbinden. Im Inneren des Kerns verbirgt sich ein Rastmechanismus, der außen durch einen kleinen Metallknopf an der Absatzfront sichtbar ist.

Du gestaltest auch Taschen mit auswechselbarem Korpus. Ist das System das gleiche?

Genau.

Es gibt für jeden Anlass etwas Passendes … © Katrin Leiber

Du wurdest letztes Jahr für den Arthur Fischer Erfinderpreis nominiert – als einzige Erfinderin von Baden.

Ja, das zeigt, dass mein System kein Gadget ist. Es gab nämlich viele andere Unternehmen, die versucht haben, Schuhe mit Wechsel-Absatz auf den Markt zu bringen. Aber viele sahen nicht gut aus, waren unbequem oder nicht sicher.

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Wie stellst du die Absätze her?

Mit einem 3D-Drucker aus Biokunststoff, so sind die Schuhe auch nachhaltig. Die Austauschteile kommen mit 50 bis 80 Prozent weniger Material als herkömmliche Absätze aus. Meine Blockabsätze sind auch 50 Prozent leichter.

… und für jeden Geschmack. © Katrin Leiber

Variieren die Absätze auch in ihrer Höhe?

Nein, aber sie haben unterschiedliche Absatzbreiten. Das geht auch nicht anders, weil die Fersensprengung des Schuhleistens millimetergenau abgestimmt werden muss. Sonst würde sich das negativ auf Zehen, Knie und die Wirbelsäule auswirken.

Designerin Katrin Leiber. © Katrin Leiber

Und was hast du für die Zukunft geplant?

Ich habe großes Interesse, mit Künstlern zu kooperieren, weil man zum Beispiel auch Illustrationen  auf das Taschenleder aufdrucken kann. Demnächst werde ich eine Kooperation mit einer Designerin starten, die die passenden Kleidungsstücke zu den Schuhen und Taschen gestaltet und eine mit einem Schmuckdesigner. Mein nächstes Projekt ist ein Schuh, bei dem man Plateau, Absatz und Keilsohle auswechseln kann.

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