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„Ein Bild muss authentisch sein“

„Ein Bild muss authentisch sein“

Die Ten Gallery hat ihren Schwerpunkt auf zeitgenössische Fotografie gelegt. © Katharina Koser

Der erste Eindruck gleicht mehr einem Café als einer Galerie: Direkt an den großen Schaufenstern laden Sitzgruppen zum Verweilen ein, liebevoll ausgewählte Accessoires und viel Holz schaffen eine wohnliche Atmosphäre.

Es ist gemütlich hier. Ein guter Ort, um ins Gespräch zu kommen, in Bildbänden zu blättern und Kunst zu betrachten. Denn was sofort ins Auge fällt, ist die prominent platzierte Fotoserie.

In der Ten Gallery herrscht Wohnzimmer-Atmosphäre und Gemütlichkeit. © Katharina Koser
In der Ten Gallery herrscht Wohnzimmer-Atmosphäre und Gemütlichkeit. © Katharina Koser

Spezialisiert auf zeitgenössische Fotografie

Die Ten Gallery ist spezialisiert auf zeitgenössische Fotografie. Betrieben wird der kleine Ausstellungsraum in T 6 von der aus Monza stammenden Italienerin Deborah Musso, Fotografin und Kuratorin, die auch im Vorstand des regionalen Fotofestivals OFF//FOTO aktiv ist.

Eröffnet hat sie das Geschäft 2012 gemeinsam mit ihrem Mann, dem Mannheimer Musiker Markus Sprengler, und zwei weiteren Partnern, die inzwischen ausgestiegen sind. Mittlerweile führt Deborah die Galerie weitgehend allein.

Deborah Musso, Fotografin, Kuratorin, Galerie-Inhaberin und Vorstand des regionalen Fotofestivals. © Katharina Koser
Deborah Musso, Fotografin, Kuratorin, Galerie-Inhaberin und Vorstand des regionalen Fotofestivals. © Katharina Koser

„Wir haben festgestellt, dass das Konzept der White Cube Gallery, also des weißen Raumes, in dem die Kunst ausgestellt wird, in dieser Gegend nicht funktioniert. Die Leute haben eine gewisse Angst vor Kunst“, erzählt sie.

„Wir wollten die Kunst zu den Menschen bringen. Zeigen, was aktuell in der Fotografie passiert.“

Café oder Galerie. Die Ten Gallery distanziert sich vom KOnept der White Cube Gallery. © Katharina Koser
Café oder Galerie. Die Ten Gallery distanziert sich vom KOnept der White Cube Gallery. © Katharina Koser

Szenetreff für Fotografieliebhaber

In den vergangenen acht Jahren hat sich die Ten Gallery zu einem Szenetreff für Fotografieliebhaber entwickelt, sowohl Profis als auch Hobbyfotografen.

Hier kann man nicht nur Ausstellungen besuchen, sondern auch in Fotobüchern stöbern und sie erwerben, es finden regelmäßig Künstlergespräche, Workshops und Kulturevents statt.

Der kleine "Buchladen" für Fotografie-Bildbände von bekannten Künstlern und Newcomern. © Katharina Koser
Der kleine „Buchladen“ für Fotografie-Bildbände von bekannten Künstlern und Newcomern. © Katharina Koser

Bis Mitte Dezember ist die Ausstellung „mónos“ mit Fotografien von Vincenzo Pagliuca zu sehen. Seine Bilder zeigen Häuser in den italienischen Apenninen.

Die Häuser befinden sich im Zentrum des jeweiligen Bildes, Asymmetrien ergeben sich im Motiv selbst: gewachsenen Häuser, von Menschen selbst gebaut, hier und dort ein Anbau, eine Treppe ins Nichts, eine Tür in drei Metern Höhe.

„Auf mich wirken diese Häuser nicht wie ‚lost places‘, obwohl keine Menschen zu sehen sind“, sagt Deborah, „ich finde sie mystisch und anziehend.“

Aktuell ist die Ausstellung „mónos“ mit Fotografien von Vincenzo Pagliuca zu sehen. © Katharina Koser
Aktuell ist die Ausstellung „mónos“ mit Fotografien von Vincenzo Pagliuca zu sehen. © Katharina Koser

Bekannte Künstler und Newcomer

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Die Fotografien und Bildbände, die Deborah Musso ausstellt und verkauft, stammen sowohl von international bekannten Künstlern als auch von Newcomern: „Ich entscheide nach Gefühl. Mir ist wichtig, dass ein Fotograf den Blick dafür hat.“

Sie hat einen besonderen Hang zur analogen Fotografie, liebt das Unperfekte. Stark bearbeitete Fotos sind nicht nach ihrem Geschmack: „Ein Bild muss authentisch sein.“

Deborah liebt die analoge Fotografie. © Katharina Koser
Deborah liebt die analoge Fotografie. © Katharina Koser

Deborah hält Fotografie für demokratischer als Malerei, nicht nur, weil die moderne Technik den Zugang erleichtert: „Auflagen sind zwar oft limitiert, aber ein Foto kann man vervielfältigen. Dadurch kann der Künstler es öfter verkaufen, es wird billiger, mehr Menschen können es sich leisten. Das ist nicht wie in der Malerei, wo es nur ein einziges Exemplar gibt.“

Fotografie ist demokratischer als Malerei - findet Deborah. © Katharina Koser
Fotografie ist demokratischer als Malerei – findet Deborah. © Katharina Koser

Kontakt wichtig

Dass das kulturelle Leben wegen der Coronavirus-Pandemie gerade so reduziert stattfindet, bedrückt Deborah. Sie habe es mit digitalen Veranstaltungen versucht, aber das funktioniere nur bedingt.

„Ich brauche den Kontakt“, sagt sie. Als nächste Veranstaltungen sind ein Workshop mit dem auf urbane Fotografie spezialisierten Heinrich Völkel, Mitglied bei der Berliner Agentur Ostkreuz, und ein Kurs mit dem Mannheimer Fotografen Horst Hamann, international bekannt unter anderem für sein Buch New York Vertical, geplant.

Hund Joko gehört zur Galerie wie die Fotografien. © Katharina Koser
Hund Joko gehört zur Galerie wie die Fotografien. © Katharina Koser

Ob diese stattfinden können, ist angesichts der aktuellen Lage alles andere als sicher. Aber Deborah lässt den Kopf nicht hängen: „Wir müssen flexibel bleiben.“

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