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Turnen statt Teenie-Drama

Turnen statt Teenie-Drama

Warum das Bild, das wir vom Cheerleading aus Highschool-Filmen haben, vollkommen falsch ist!

„One, two, three, four, five, six, seven, eight …“, schallt es durch die Halle. Zugegeben – es sieht für einen Laien schon ziemlich spektakulär aus, was hier gerade passiert.

Flickflack, Saltos, Hebefiguren: In der Sporthalle des Kulturvereins Waldhof trainieren die Pro Spirit Allstars.

Seit Mitte Juni können die Cheerleader nach dem coronabedingten Trainingsverbot ihren Sport wieder gemeinsam ausüben – und die Zeit drängt.

Denn die Tigers, das Team der über 18-Jährigen, wollen im September an der offenen Europameisterschaft in Bottrop und im Dezember an der Landesmeisterschaft in Weinheim teilnehmen.

Flickflack, Saltos, Hebefiguren – das Training ist für Laien beeindruckend. © Katharina Koser

Sportlich und privat ein Team

Trainiert werden sie von Yanina und ihrem Mann Mike. Yanina, die von Beruf stellvertretende Kita-Leiterin in Bensheim ist, kam 2008 übers Turnen zum Cheerleading.

Sie und Mike haben sich im Sportverein kennengelernt – und Mike, gelernter Elektriker und derzeit Lagerist und Musikproduzent, ließ sich schnell für ihren Sport begeistern.

Auf der Suche nach größeren Herausforderungen wechselten sie vom TV Bürstadt zur FTG Pfungstadt und dann zur Eintracht Frankfurt und waren schließlich 2014 als Mitglieder des Nationalteams bei den Weltmeisterschaften in Florida dabei.

Als der DJK-Sportverband sie als Trainer warb, kamen sie nach Mannheim.

Ein gutes Team – Yanina und Mike trainieren die Pro Spirit Allstars. © Katharina Koser

Unterstützung vom Verein

Seit einem Jahr haben die PSA einen neuen Heimatverein: den Carneval Club Waldhof (CCW), wo Yanina und Mike auch das Senior Team Tigers gründeten.

„Hier fühlen wir uns mehr beachtet“, sagt Yanina, „der Erste Vorsitzende Stefan Hoss und der Rest des Vereins interessieren sich sehr für das, was wir machen und er ist auch bei den Meisterschaften dabei.

Es ist schön, so viel Unterstützung zu bekommen.“ Konkurrenz zum Gardetanz besteht nicht. „Das ist etwas völlig anderes“, erklärt Mike, „die tanzen, wir turnen. Wir werben da keine Mitglieder ab.“

Finanziell trägt sich das Cheerleading weitgehend selbst – die Teammitglieder kommen für die Kosten auf. „Anmeldegebühren für Wettbewerbe, Reise, Unterkunft, da kommt was zusammen“, zählt Yanina auf.

„Für die Saison 21/22 bekommen wir eine neue Uniform, die an die Vereinsfarben des CCW angepasst ist. Die kostet zwischen 200 und 400 Euro pro Person. In so einer Saison ist man dann bei insgesamt etwa 700 Euro für jeden.“

Yanina und Mike demonstrieren die richtige Position der Hand, damit der Flyer sicher steht. © Katharina Koser

Kein Zickenkrieg

Zickenkrieg, wie man ihn aus US-amerikanischen Serien kennt, gibt es bei den PSA nicht. „Hier freut sich jeder für jeden“, meint Yanina. Das sieht man auch im Training.

Klappt zum Beispiel beim Tumbling, den bodenturnerischen Elementen, ein Flickflack oder Salto besonders gut, gibt’s Applaus vom Team. Überhaupt ist das Bild, das man von der Sportart im Kopf hat, ziemlich fern der Wirklichkeit.

„In den USA ist das ein Nationalsport“, sagt Mike, „auch dass Männer Cheerleader werden, ist da total normal.“

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Martin ist einer von fünf Männern im Team der Tigers, er ist vor vier Jahren über eine Freundin zum Cheerleading gekommen. Der Erzieher findet das nicht ungewöhnlich: „Auch viele US-Präsidenten haben Cheerleading gemacht. George W. Bush zum Beispiel, und Senior Bush auch.“

Zickenkrieg ist hier fehl am Platz. Hier freut sich jeder für jeden! © Katharina Koser

Jeder ist willkommen

Trainiert werden außer dem Tumbling heute auch Stunts, also Hebefiguren, und der ‚Basket Toss‘, bei dem eine Person, der Flyer, in die Luft geworfen und anschließend von einer Gruppe, die mit ihren Armen einen Korb bildet, aufgefangen wird.

„Wir proben hier Basics“, sagt Mike. Aber auch die sind schon ziemlich beeindruckend.

Mitmachen kann jeder. „Die Tigers sind ein Coed-Team, also für Frauen und Männer“, erklärt Yanina. Viele waren auch schon vorher sportlich aktiv, oft kommen sie vom Turnen.

Chiara probt eine Pose. © Katharina Koser

Wie zum Beispiel Chiara, die fürs Training dreimal in der Woche von Karlsruhe nach Mannheim fährt. Luisa dagegen hat vorher Hockey gespielt: „Ich habe die Cheerleader in der Halbzeitpause gesehen und mich dafür interessiert.“

Angefangen hat sie mit Sideline Cheer, dem Animations-Cheerleading am Spielfeldrand zur Unterstützung einer Sportmannschaft. Seit sie in Mannheim studiert, ist Luisa nun bei den PSA, die in den Bereich des Competition Cheer fallen.

„Beim Sideline Cheer ist man zum Anfeuern eines Teams da“, erklärt Flyer Chiara, „und beim Competition Cheer ist man selbst das Team. Das sind zweieinhalb Minuten lange Routinen, in denen fetzige Musik läuft, man Stunts macht, Akrobatik macht, Baskets wirft, tanzt… Das ist etwas komplett anderes“.

Luisa, Martin und Chiara (vlnr). © Katharina Koser

Sportliche Erfahrung ist hilfreich, aber laut Yanina kein Muss: „Durch die verschiedenen Positionen gibt es immer einen Platz. Jeder ist willkommen.“

Vom Grundschul- bis zum Erwachsenenalter gibt es bei den Pro Spirit Allstars Teams auf unterschiedlichen Trainingsniveaus. Mike ergänzt: „Einfach Sportsachen einpacken und vorbeischauen.“

  • Pro Spirit Allstars
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