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Der Mitmach-Zirkus

Der Mitmach-Zirkus

Julia B.

Im sonst grauen Industriegebiet Im Pfeifferswörth steht ein großes, gelb-rot gestreiftes Zirkuszelt.

Ein Blick ins Innere am Abend: Ein paar Kinder jonglieren mit Bällen, andere halten die Balance auf dem Drahtseil. Die Stimmung ist verspielt und konzentriert zugleich.

Kein Wunder: Die Ensemblegruppe Palettinis des Kinder- und Jugendzirkus Paletti übt für ihren nächsten Showauftritt.

Die Zeltanlage im im Pfeifferswörth. © Zirkus Paletti

Start mit 30 Kindern

Seit 1997 gibt es den Zirkus Paletti. Begonnen haben die Gründer Corinna von Tschammer, Anja Bender und Tilo Bender mit einem Kurs für dreißig Kinder.

Nach und nach kamen eine zweite Gruppe, eine dritte, eine vierte hinzu. Immer waren die Kurse schnell ausgebucht. Trainiert hat der Zirkus damals im Kinderhaus Im Rott, Aufführungen fanden zum Beispiel im Kulturhaus Käfertal statt.

„2010 haben wir angefangen, richtig groß zu denken“, erzählt Tilo. Die Vision: ein eigenes Zirkuszentrum.

Sechs Jahre später war das Areal Im Pfeifferswörth fertiggestellt. „Wir sind sehr gesund gewachsen, weil wir uns Zeit gelassen haben“, sagt Tilo stolz.

Heute ist der Zirkus Paletti einer der größten Kinder- und Jugendzirkusse in Europa, in dem 500 Artisten trainieren. Viele von ihnen sind schon seit 15 Jahren oder länger dabei, einige sind mittlerweile auch selbst Trainer.

Insgesamt gibt es vier Ensemblegruppen im Zirkus Paletti. © Zirkus Paletti

Vier Ensemblegruppen

Insgesamt vier Ensemblegruppen trainieren im Paletti: Die Palettinis (für 8- bis 12-Jährige) und Palettis (für 12 bis 17-Jährige) sowie Wunderbunt (für 17- bis 23-Jährige) und Quernormal (für Erwachsene ab 23).

Zusätzlich bietet der Zirkus freie Trainingsabende, Anfänger-Kurse, inklusive Kurse, Kindergeburtstage und Workshops, zum Beispiel für Schulen, an.

Tilo merkt, dass die Erfahrung, selbst zum Zirkusartist zu werden, viele Kinder aus der Reserve lockt – und die Wandlung, die die Kinder dabei vollziehen, viele Eltern und Lehrer erstaunt: „Plötzlich ist der Junge, der immer der Störer ist, ein Kind, das wahnsinnig viel übt, weil es diesen einen Trick lernen will.“

 

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Kein Leistungsdruck

Der Spaß zählt. Wichtig ist für Tilo, dass es im Zirkus Paletti keinen Leistungsdruck gibt: „Überall im Sport gibt es Wettkämpfe, bei denen etwas bewertet wird. Wenn man die Bewegung nicht genauso ausgeführt hat wie auf dem Blatt der Kampfrichter, gibt es Punktabzug.

Hier im Zirkus vermitteln wir eine Grundvorstellung davon, wie ein Trick aussehen kann. Wie ein Kind dann dahin kommt, das kann es selbst ausprobieren.“

Richtig und falsch, gut und schlecht gibt es im Paletti nicht. „Bei uns steht am Ende eines Kurses eine schöne Show, und die soll nicht immer gleich aussehen“, so Tilo.

Zudem können Zirkustechniken in vielen verschiedenen Schwierigkeitsstufen ausgeführt werden – deswegen ist Zirkus für sportliche Profis genauso etwas wie für Vorschulkinder.

Noch immer träumen viele Kinder träumen davon Zirkus Artist zu werden. © Zirkus Paletti

Freie Trainings für Jedermann

Auch Erwachsene können ohne Vorerfahrungen in freien Trainings, montags und mittwochs von 20 bis 22 Uhr, Zirkusartistik lernen – zum Beispiel Einrad zu fahren oder Diabolo zu spielen.

See Also

Wer erstmal noch zuhause ausprobieren will, ob Artistik etwas für sie oder ihn ist: Im Corona-Lockdown haben die Paletti-Trainer Übungsvideos unter dem Motto „Paletti To Go“ aufgenommen.

Die Trainer geben Tipps, wie man den richten Hula Hoop-Reifen auswählt, erklären den Handstand oder stellen das Spiel „Gordischer Knoten“ vor.

So geben die Videos einen Einblick in die ganze Bandbreite der Zirkuswelt: Jonglage, Equilibristik, also Balancehalten, etwa auf einem Seil oder beim Kugellaufen, Bodenakrobatik sowie Luftartistik, zum Beispiel am Trapez.

 

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Drive-In-Zirkusshow

Der Zirkus Paletti steht für Hoffnung und Spaß am Ausprobieren. Das haben Tilo und Co. auch in der Corona-Krise bewiesen: Neben den Trainingsvideos hat das Team auf den Parkplätzen in ihrer Nähe eine Drive-In-Zirkusshow aufgeführt.

„Manche Familien sind gleich fünf Mal hindurch gefahren“, erzählt Tilo. Sie wollten Familien die Möglichkeit geben, wieder etwas zu unternehmen.

„Auch bei uns ist dadurch eine positive Stimmung eingekehrt“, freut sich Tilo. Auch die Trainingskurse sind wieder angelaufen: „In der Jugendarbeit blicken wir hin zu immer mehr Normalität“, sagt Tilo.

Und so können die Kinder – und Erwachsenen – vom Zirkus Paletti weiter Farbe ins Industriegebiet bringen, in dem sie ihrer Leidenschaft nachgehen.

  • Zirkus Paletti
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