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Kunst, Jugendstil und Kneipenszene mit urbanem Charme

Kunst, Jugendstil und Kneipenszene mit urbanem Charme

Die Mannheimer Oststadt besticht durch ihren urbanen Charme und den Mix an Möglichkeiten. © Sylvia Osthues

von Sylvie Osthues

Ein Storchenpaar kreist über den prächtigen Stadtvillen und repräsentativen Bauten des Jugendstils, des Historismus und der Neuen Sachlichkeit.

Über den Dächern der zahlreichen namhaften Firmen in der prachtvollen Augustaanlage oder in der Otto-Beck-Straße ziehen Möven vom nahegelegenen Neckar kreischend ihre Bahnen.

Wohnen, umgeben von Grün, Arbeits-, Einkaufs-, Sehenswürdigkeiten, Kultur- und Freizeitmöglichkeiten direkt vor der Haustür sowie die Nähe zur Innenstadt – diesen urbanen Charme der Oststadt genieße ich mittlerweile schon vierzig Jahre.

Die Oststadt reicht vom Neckar bis (fast) zum Hauptbahnhof, von der Riedbahnbrücke bis zum Kaiser- und Friedrichsring. Ich gehe gern im historisch gewachsenen Viertel spazieren. Die ersten Planungen für die Oststadt begannen 1872.

Denn den vielen Wohlhabenden, die sich im ersten Mannheimer Millionärsviertel in den L-Quadraten angesiedelt hatten, erschien diese Gegend wegen des Straßenlärms und den engen Grundstücken nicht mehr angemessen. 1888 wurde der Bau der Oststadt genehmigt.

Beste Adresse

Die beste Adresse für den Bau einer typischen Oststadtvilla war die Werderstraße. Eines der frühesten Gebäude in der Oststadt ist die Villa Pakheiser in der Werderstraße 36. Sie wurde 1900 durch die Architekten Köchler und Karch erbaut und ist heute Vereinshaus der Gesellschaft Räuberhöhle.

Die Villa Giulini in der Werderstraße 38 wurde 1899 von Rudolf Tillessen erbaut in einem um 1900 ungewöhnlich zurückhaltendem Stil. Die Giulinis – eine Industriellenfamilie aus Como – betrieb damals bereits in der zweiten Generation ihre Chemiefabrik in Ludwigshafen.

Die Villa Oskar Smreker in der Werderstraße 40 ist eine Stilmischung aus Renaissance, Barock und Jugendstil (Architekt Gustav Halmhuber). Der österreichische Wasserbauingenieur Smreker errichtete ab 1882 die Mannheimer Wasserversorgung und war verantwortlich für die Technik im Wasserturm – das Wahrzeichen Mannheims liegt ebenfalls in der Oststadt.

Die Villa Engelhorn in der Werderstraße 44 wurde 1904 ebenfalls von Tillessen für Friedrich Engelhorn (Sohn des BASF-Gründers) erbaut.

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Neckarauer Marktplatz. © Thorsten Langscheid

Mein Lieblingsspaziergang führt entlang der sehenswerten Stadtvillen zum Palais von Karl Lanz. Der Unternehmer und Förderer technischer Innovationen übernahm die Leitung von Lanz & Co (seit 1959 John Deere-Lanz AG) von seinem Vater, Heinrich Lanz.

Das schönste Entree der Stadt

Die Lanz Villa wurde 1913 erbaut vom Architekten des Königs von Belgien und war mit 99 Zimmern damals das größte Privathaus Mannheims, das später lange als Fernmeldeamt genutzt wurde. Leider sind in den schönen Stadtvillen heute überwiegend Büros untergebracht.

Die mit Platanen bestandene Augustaanlage mit ihren zahlreichen Kunstwerken, dem 1833 gegründeten Mannheimer Kunstverein, dem Carl-Benz-Denkmal und Lipsi-Rad ist seit Umgestaltung der Allee für mich das schönste Entree der Stadt.

Wenn ich von Frankfurt oder Stuttgart kommend die vierspurige Allee entlang fahre und vor mir den Wasserturm sehe, bin ich zu Hause.

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