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Die Kunst gerösteter Passion

Die Kunst gerösteter Passion

Als Elisabetta Epping-Rossi das erste Mal den Geruch eines frisch aufgebrühten Qualitätskaffees in der Nase hatte, konnte sie noch nicht einmal richtig laufen – über 20 Jahre später leitet sie als Röstmeisterin mit Agáta Kaffee mitten in Mannheim eine eigene Manufaktur samt gastronomischer Fläche.

Die Basis dafür liegt bei der jungen Frau fast schon in der DNA. „Wenn du aus Italien kommst, wächst du mit Kaffee auf. Du trinkst ihn, du liebst ihn, er gehört zum Leben mit dazu.“

Wenn Sätze wie diese aus Elisabettas Mund kommen, dann tragen sie eine Euphorie in sich, die authentisch imponiert. Ohne falsches Gehabe oder überzeichnete Folklore.

Die Qualitätsbohnen, hier eine Espresso-Auslese aus El Salvador, werden rund zwölf Minuten bei 200 Grad zu ihrem perfekten Ergebnis geröstet. © Markus Mertens

Mit Kaffee für eine bessere Welt

Ein Engagement mit Hintergründen. Denn so sehr die junge Kaffeeliebhaberin die Champions League des Kaffees, wie etwa die Mischungen der legendären „Ditta Artigianale“, mit all ihren Spezialitäten preist, so desillusioniert muss sie auch die Mechanismen einer Branche zur Kenntnis nehmen, die auf ihrer dunklen Seite von Ausbeutung und gnadenlosem Preisdruck gekennzeichnet ist.

„Im vergangenen Jahr ist der Preis für Industriekaffee auf unter einen Dollar pro Kilogramm gesunken – wir brauchen uns nicht vorzumachen, dass von solchen Summen irgendein Erzeuger leben kann“, wie die Expertin für Bohnen aus aller Welt festhält – und dabei auch ihre sozial-couragierte Ader offenbart.

An hochwertigen Maschinen wie diesen des Anbieters Elektra geben die Baristas von Agáta regelmäßig Kaffee-Seminare und vermitteln so wichtige Hintergründe. © Markus Mertens

Nach einem Jura-Studium, mit dem Elisabetta ihren Sinn für Gerechtigkeit sukzessive erweitert, bringt sie sich bei der Mannheimer NGO Starkmacher ein, hilft als Projektmanagerin internationale Akteure im Sinne eines nachhaltigeren Planeten miteinander zu vernetzen, um anschließend selbst Teil dieser besseren Welt werden zu wollen.

Entsprechend konsequent reist Elisabetta nach Florenz, prüft sich bei einem dreiwöchigen Kaffee-Seminar selbst auf Herz und Nieren, bis der große Entschluss schließlich feststeht: „Ich musste meinen eigenen Kaffee erfinden!“

Zu groß ist der Schmerz bei der Kenntnis über die Ausnutzung billiger Arbeitskräfte bei den Industrie-Giganten, zu intensiv die Schmach, wie hinterlistig qualitativ minderwertige Bohnen überröstet Kunden in aller Welt mit einem Stück Schokolade bekömmlich gemacht werden.

Ob aus Brasilien, oder von andernorts: Agáta legt als Unternehmen großen Wert auf faire Lieferketten, von denen jeder leben kann. © Markus Mertens

Risiko und Engagement Hand in Hand

Bei der Gründung von Agáta Kaffee geht Elisabetta gemeinsam mit ihrem Mann Johannes allerdings keineswegs blind ins wirtschaftliche Risiko.

Denn einerseits nutzt die Jungunternehmerin Kontakte zu langjährigen italienischen Kaffee-Experten und Meister-Baristas, deren Einkaufsnetzwerk von Honduras bis El Salvador reicht. Andererseits setzt die Rösterin bei ihren eigenen Kreationen  auf einen höheren Preis für maximale Qualität und Transparenz.

Dass sie aus diesem Bewusstsein nur zehn Tonnen pro Jahr röstet, während globale Weltmarktführer solche Mengen jeden Tag in der Trommel haben, stört die entschlossene Unternehmerin dabei keineswegs.

„Erst dann, wenn ein Kaffee in der Bohne defektfrei, handwerklich gut geröstet und mit sauberen Instrumenten so verarbeitet und verkauft wird, dass jedes Glied in der Handelskette gut davon leben kann, haben wir die perfekte Mischung“, fasst die Geschäftsführerin ihr ganz eigenes Erfolgsrezept in Worte zusammen, mit dem sie immer mehr Menschen überzeugt.

Jede Tasse wird bei Agáta Kaffee mit viel Liebe zum Detail handgebrüht. © Markus Mertens

Auf den Schwingen des Erfolgs

See Also

Denn zum einen lassen sich auch etablierte Mannheimer Kaffeehäuser wie die Röstbar oder das Café Planken mit Mischungen aus dem Hause Agáta beliefern, zum anderen hat auch das stationäre Café direkt neben der Dualen Hochschule immer mehr Zuläufer gefunden.

Dass die Räumlichkeiten vor Ort auch so zum Verweilen einladen, passt da wunderbar ins Konzept. Denn urig sieht nicht nur die alte Holzwerkbank im Eingangsbereich des Cafés aus.  Auch das Design und die hellen Fensterfronten, die man sich lange mit dem Einrichtungs-Unternehmen Kristallfluss teilte, verstehen einzunehmen.

Das Living-Startup hat den Standort mittlerweile zwar verlassen, doch für Agáta ist das nur ein Grund mehr, die eigenen Flächen mit viel Liebe zum Detail fortwährend zu erweitern. Und wer an diesem Vormittag betrachtet, wie selbstverständlich Studierende sich hier ihren Kaffee abholen, der ahnt, dass die Erfolgsgeschichte dieses noch jungen Unternehmens längst nicht auserzählt ist.

Derzeit teilen sich die Café-Besitzer die Räumlichkeiten noch mit dem Einrichtungs-Unternehmen Kristallfluss, demnächst sollen die Flächen konsequent erweitert werden. © Markus Mertens

Eine Philosophie, die auf drei Säulen ruht. Denn Nachhaltigkeit präsentiert sich bei Agáta nicht nur als Zusammenspiel der Unterstützung klassischer Anbieter wie Elektra oder die Einführung des Recup-Systems, sondern auch das Animieren zum bewussten Genuss.

Werte, die Elisabetta nicht nur durch ihr italienisches Blut, sondern auch als eine der noch immer wenigen weiblichen Rösterinnen auf Messen und Meisterschaften progressiv vorantreibt.

Agáta gibt es auch zum mit nach Hause nehmen – so einladend werden die Gäste mit Präsenten auf einer alten Werkbank begrüßt. © Markus Mertens

Und zuletzt sind es auch die Kaffee-Seminare, mit denen von der Struktur der Kaffeepflanze über die Süße der Kaffeekirsche bis hin zur perfekten Röstdauer Hintergründe vermittelt werden, die das Erlebnis einer Tasse Espresso intellektuell erweitern.

Denn eines ist der Mannheimerin bei jedem Gramm verarbeitetem Kaffeemehl besonders wichtig: „Kaffee ist so viel mehr als nur Koffein.“

  • Agáta Rösterei & Café
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