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Käfertal, ein Stadtteil mit ganz vielen Gesichtern

Käfertal, ein Stadtteil mit ganz vielen Gesichtern

Historisches Kleinod: Die Siedlung Reiherplatz in Käfertal. © Michael Ruffler

von Peter W. Ragge

Die Stille herrlicher langer, weicher Waldwege, aber auch zwei stark befahrene, laute Durchgangsstraßen, die Wohngebiete durchschneiden.

Hochhäuser, doch ebenso dörfliche Strukturen. Ausgedehnte Industriegebiete, beschauliche Einfamilienhäuschen im Grünen und primitive Einfachstbauten, alte Scheunen sowie Mannheims größtes Neubaugebiet – all das ist Käfertal, von Fläche und Einwohnerzahl der drittgrößte der 17 Mannheimer Stadtbezirke.

Fünf Teile

Käfertal ist ein Stadtteil der vielen Gesichter, deutlich größer als manche Große Kreisstadt wie Schwetzingen.

Als einziger Stadtbezirk besteht Käfertal aus gleich fünf Teilen, den „Käfertal-Mitte“ bezeichneten alten Ortskern, ferner Käfertal-Süd südlich der B 38, wozu auch das Rott gehört, neuerdings das Neubaugebiet Franklin, schließlich die oft zur Gartenstadt gerechnete Siedlung „Sonnenschein“ sowie das meist fälschlicherweise dem Waldhof zugeordnete Speckweggebiet einschließlich zumindest einiger der als „Benz-Baracken“ berühmten Blocks.

Käfertal reicht im Westen nämlich bis zur Hessischen Straße, kurioserweise liegt die Grenze genau in der Mitte. Die Gemarkung des selbstständigen Orts Käfertal erstreckt sich früher sogar bis zum Altrhein und bis zum Wingertsbuckel in Feudenheim.

Zudem umfasst sie einst etwa ein Drittel der heutigen Vogelstang. 1897 ist es mit dieser Größe vorbei. Käfertal steht am Beginn der Eingemeindungswelle, womit die Geschichte des lange selbstständigen Dorfes endet.

Das Neugebiet Franklin. © Christoph Blüthner
Das Neugebiet Franklin. © Christoph Blüthner

Über Jahrtausende besiedelt

Besiedelt ist die Gegend schon Jahrtausende, zunächst mit dem Dorf Dornheim, das aber eher westlich der Au verortet wird – der Neckar verläuft ja seinerzeit noch anders, aber viel weiß man aus dieser Zeit nicht.

Die erste Erwähnung einer Siedlung im heutigen Käfertal gibt es im Jahre 917, eine auf „Cheverndal“ ausgestellte Urkunde des Pfalzgrafen datiert im Jahr 1227, 1338 ist ein Schultheißenamt belegt und ab 1393 die älteste Kirche auf dem Areal der heutigen Unionskirche.

Am Kreuzungspunkt der Straße von Ladenburg nach Worms gelegen, wächst die zunächst bescheidene Waldsiedlung immer mehr. Vom Wald soll sich auch ihr Name ableiten: „Keverendale“ steht für „Tal der Kiefern“.

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Sabrina Eßlinger, Isabell Schremmer und Manuel Jonik schauen durch die selbstgebaute Trennwand im Laden, die das Café vom hinteren Bereich des Ladens trennt, in dem Beratungsgespräche zu Torten stattfinden. © Julia Wadle

Bereits 1884 erlaubt Käfertal der Stadt Mannheim, im Gemeindewald ein Wasserwerk zu errichten. © Thomas Tröster
Bereits 1884 erlaubt Käfertal der Stadt Mannheim, im Gemeindewald ein Wasserwerk zu errichten. © Thomas Tröster

Frühe Industrialisierung

Zunächst bäuerlich geprägt, beginnt auf Käfertaler Gemarkung aber früh die Industrialisierung. Schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstehen hier eine Bleizuckerfabrik, die älteste Sodafabrik Deutschlands und eine der größten Malzfabriken Süddeutschlands.

Die „Kolonie Waldhof“ mit der 1853 gegründeten Spiegelfabrik und der Spiegelsiedlung, bald darauf die Chemischen Fabriken, die Pharmafirma Boehringer oder Drais machen das Gebiet am Altrhein zum florierenden Industriestandort – und wecken Begehrlichkeiten.

Bereits 1884 erlaubt Käfertal der Stadt Mannheim, im Gemeindewald ein Wasserwerk zu errichten, das ab 1888 in Betrieb geht. Das ist dann der letzte Grund Mannheims, nach Käfertal zu greifen.

Nach langen Verhandlungen werden Käfertal und Waldhof zum 1897 eingemeindet. 1899, als Mannheim elektrifiziert wird, verlangt der damalige Oberbürgermeister Otto Beck von dem mit dem Kraftwerksbau beauftragten Unternehmen, dass es sich in der Stadt ansiedelt: Es ist BBC, das dann in Käfertal heimisch wird und den Stadtteil bis heute nachhaltig prägt.

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