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Unperfekt unkompliziert unverpackt – grünkern feiert Geburtstag!

Unperfekt unkompliziert unverpackt – grünkern feiert Geburtstag!

Daniela Steinbrenner
Die Inhaberinnen Bianca und Darlene.

Der Weg zum nachhaltigen Konsum ist einer mit vielen Schritten, sei es unterwegs, in den eigenen vier Wänden oder beim Einkaufen. Dass das nicht immer perfekt und schnell umsetzbar ist, frustriert viele Einsteiger.

Im Unverpacktladen grünkern in Mannheim bekommt man Schritt und Schritt den unperfekten unverpackt Weg gezeigt.

Die beiden Besitzerinnen, Bianca und Darlene, erzählen uns im Interview, wie die Anfänge und ihre Meilensteine in diesem einen Jahr waren und teilen ihre Empfehlungen mit der ILMA Community.

ILMA: Bei so einem Geburtstag muss man wahrscheinlich immer an die Anfangszeit denken. Wie entstand bei euch beiden denn die Idee einen Unverpacktladen hier in Mannheim zu eröffnen?

Darlene: Wir haben zusammen in einem Unverpacktladen gearbeitet und Verbesserungspotential in Bereichen wie Nachhaltigkeit, Vegan und palmölfrei gesehen. Wir arbeiten mit Bio-Großhändlern zusammen, die das für uns recht einfach gestaltet haben.

Bianca: Ja, und da kam uns die Idee, dass wir einen eigenen Laden, der auch unsere Werte vertritt eröffnen möchten. Wir dachten uns, wenn man was besser haben möchte, dann muss man das auch selbst machen. Man kennt es aus konventionellen Läden, die ganzen Zutaten checken zu müssen, nur um dann in der letzten Zeile noch Molkepulver vorzufinden. Wir sehen das als unseren Auftrag den Backroundcheck für die Kunden zu machen. Wenn du bei grünkern einkaufst, gehört das dazu, dass wir unsere Arbeit gemacht haben und jedes Detail beachtet wird.

Somit bietet grünkern eine entspannte Atmosphäre beim Einkaufen ohne sich Sorgen machen zu müssen. Das breite Sortiment reicht von Hygieneartikel aus Mehrwegbehältern, Lebensmittel von frischer Ware, die ein oder andere Schokolade, Gewürze, bis hin zu Mehl, Getreide, Essig und Öl.

Den Standort für ihren Unverpacktladen fanden Darlene und Bianca recht schnell. Nicht zu weit aus der Stadt und doch in Nähe zur Natur ist grünkern auch mit dem Fahrrad gut erreichbar. Dafür sind die Kundinnen und Kunden sehr dankbar, um ohne Probleme das unverpackte Einkaufen in ihren Alltag integrieren zu können.

ILMA: Ich stelle mir so eine Ladeneröffnung mitten in der Pandemie echt schwer vor. Gab es Startschwierigkeiten oder lief alles glatt ab?

Bianca: Wir hatten wirklich den Vorteil, dass Lebensmittelgeschäfte trotz Beschränkungen öffnen durften. Außerdem waren wir gut vorbereitet und haben das Businesskonzept und die Strukturen auf die Umstände ausgerichtet. Viele kannten auch schon das Konzept vom unverpackten Einkaufen, also gab es da keine Berührungsängste. Allerdings war es für uns beide aufregend immer die aktuellen Richtlinien zu finden auch unter dem Aspekt eine Arbeitgeberin zu sein. Das war eine Herausforderung an der wir gewachsen sind.

ILMA: Könnt ihr jetzt schon sagen, wie die Mannheimer euer Angebot soweit angenommen haben?

Darlene: Das ist unterschiedlich. Wir haben zum Beispiel Kundinnen und Kunden, die sich vorab über das Konzept und unser Sortiment auf der Website erkundigen und somit auch ihren ersten Einkauf bei uns geplant haben. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Kunden, die spontan vorbeischauen und ein oder zwei Sachen zum Ausprobieren sowie Gläser für den nächsten Einkauf kaufen und das ist schon der erste Schritt.

Bianca: Ich glaube es gibt Kunden, die waren von Tag eins hier und haben uns unterstützt. Die werden auch am Long-Shopping Abend zu unserem Geburtstag da sein. Man sieht aber auch immer, dass neue Leute im Laden vorbeischauen und Interesse am Konzept zeigen.

Am Long-Shopping Abend wurde das einjährige Jubiläum mit einer erfrischenden Limo und Musik gefeiert. Dazu ist nicht nur die grünkern-Community erschienen, sondern auch Kunden, Lieferanten und die Nachbarn Rettermarkt und Glückstein. Um etwas zurückzugeben, haben die beiden fleißig Spenden für das Projekt @kuestegegenplastik gesammelt. „Nichts allzu Perfektes, dafür mit vielen Emotionen“, so beschreibt es Bianca.

So sieht der Laden von innen aus.
So sieht der Laden von innen aus. © Daniela Steinbrenner

ILMA: Gibt es denn irgendwelche Meilensteine, die ihr euch für das erste Jahr vorgenommen habt und die ihr auch umsetzen konntet?

Bianca: Unser Ziel war es von Anfang an nicht nur ein Laden zum Einkaufen zu sein, sondern auch eine Community damit zu bilden, dass auch Netzwerke darüber hinaus entstehen. Dass man sich auch über Produkte oder Rezepte austauscht. Was wir definitiv umsetzen konnten, war natürlich unsere aktivistische Haltung einzubringen. Wir machen kein Geheimnis daraus, dass wir gegen Tierleid und queer-feministisch eingestellt sind. Zum Beispiel verkaufen wir Postkarten von Earth and Stone, wo der gesamte Erlös ans Frauenhaus gespendet wird. Das größte Ziel ist es, dass wir Leute Schritt für Schritt zum Nachdenken angeregt haben. Das ist unser Ansatz. Niemand muss hier perfekt sein. Wir versuchen die Leute da abzuholen, wo sie gerade sind. Diesen Anspruch nehmen wir uns auch für das nächste Jahr vor. Die Bildungsarbeit dahinter ist uns sehr wichtig und da muss man in den Schulen ansetzen, da es auch um ihre Zukunft geht.

Darlene: Ich habe mehr den Fokus auf das Innerbetriebliche gelegt. Für mich war es schon ein Meilenstein zu sehen, wie gut wir uns gegenseitig hier im Laden ergänzen und wir die Arbeit mit so viel Spaß auch umsetzen können.

ILMA: Was sind denn so eure Go-to Produkte, die ihr unverpackt-Einsteigern empfehlen würdet?

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Historisches Kleinod: Die Siedlung Reiherplatz in Käfertal. © Michael Ruffler

Darlene: Das Sonnenblumenhack ist so lecker! Meiner Meinung nach das beste Produkt hier im Laden. Und natürlich als perfektes Einsteigerding der Klassiker, unsere weiße Nugatschokolade. Bei Kindern sind die Fruchtgummis ganz beliebt. Das wird dann mehr zelebriert, wenn man ein paar in einer Dose mitnimmt und die sich nach Lust und Laune einteilt.

Bianca: Generell so etwas wie Spülschwämme. Viele denken nicht daran, dass Plastik in den gängigen Schwämmen ist oder auch das Spülmittel bei uns abfüllen zu lassen. Da kann jeder mit seiner leeren Flasche herkommen und es sich wieder auffüllen.

ILMA: Und für die unverpackt-Profis?

Darlene: Auch das Sonnenblumenhack! Aber auch solche Produkte wie Essigessenz. Das nehmen die meisten, um daheim ihre eigenen Reinigungsmittel herzustellen. Wir haben zwar Reinigungsmittel, aber es gibt Berge an DIYs für Waschmittel und dafür bieten wir hier die Zutaten an. Das ist aber wirklich fortgeschritten.

Wer nun Lust bekommen hat bei grünkern vorbeizuschauen ist herzlichst eingeladen. Man braucht aber nicht zu denken, dass unverpackt etwas nur für die Jungen ist. Laut Darlene und Bianca war die älteste Kundin um die 90 Jahre.

Auch für den kleinen Geldbeutel oder Sparfüchse da draußen gibt es jeden Dienstag den Soli-Tag. Schüler, Studierende, sowie ALG II Berechtigte bekommen zehn Prozent Rabatt auf Lebensmittel. So kann man grünkern nur alles Gute wünschen und auf viele Geburtstage im Lindenhof.

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