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Zielgerade zum Kaffee
 

Zielgerade zum Kaffee

Die „Flamme Rouge“ –  auf Deutsch der „Teufelslappen“- zeigt Radrennfahrern, dass das Ziel noch einen Kilometer entfernt ist, die Fahrer also besser zum Sprint ansetzen sollten. In der Neckarstadt Ost in Mannheim bedeutet der rote Lappen für Kaffeeliebhaber, dass sie nur noch drei Treppenstufen erklimmen müssen, um das wachmachenden Heißgetränk zu erreichen. Frisches Brot, aerotherm gerösteter Kaffee, also mit Luft erhitzt, anstatt in der Pfanne, Kuchen, Croissants und selbstgemachte Marmelade erwarten die Ankömmlinge im „Café Flamme Rouge“.

Ursprungsidee Fahrradkurier

Die Ursprungsidee sei gar kein Café, sondern ein Fahrradkurier gewesen, erzählt Inhaber Andreas Schäfer. 1991 hatte er den Einfall für den umweltfreundlichen Versand von Dokumenten und Waren innerhalb von Mannheim und Ludwigshafen. „Zu den Höchstzeiten in den 1990er Jahren waren wir 55 Kuriere und haben 800 bis 1000 Aufträge am Tag erfüllt“, erinnert sich Andreas. Die Radler transportieren CO2-frei Dokumente zwischen Unternehmen oder auch Medikamente für Apotheke. Heute flitzen noch zwölf Kuriere durch die beiden Rheinstädte.

Die Fahrradkuriere transportieren Dokumente CO2-frei. © Larissa Hamann

Konkurrenz: E-Mails

Die Konkurrenz der Kuriere sind E-Mails. In Ludwigshafen bringen die Kuriere für die sozialen Dienste, wie Kindergärten und das Klinikum, Bürounterlagen von A nach B. „Innerhalb von rund einer Stunde liefern wir“, sagt Andreas, der selbst Radrennen fährt und einige Preise gewonnen hat. Die Kuriere haben seit der Gründung insgesamt fünfeinhalb Millionen Fahrradkilometer zurückgelegt, das wäre so, als ob sie rund sieben Mal zum Mond und wieder zurück geradelt wären.

Missverständnis weckt Geschäftsidee zum Leben

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Das Papyrien in Mannheim war vor 25 Jahren wohl einer der ersten Concept Stores. © Annette Mück

Die Idee für das Café ergab sich durch einen Zufall: Die Kuriere haben sich vor den Büroräumen aufgehalten, wenn sie auf ihren nächsten Auftrag gewartet haben, erzählt Andreas. „Die Leute sahen, wie die Mitarbeiter Kaffee tranken und dachten, das sei ein Café“. Die Anwohner und Passanten bekamen gegen eine Spende Kaffee. „Irgendwann ging das nicht mehr, was wenn das Finanzamt oder so vorbeigekommen wäre…?“, sagt Andreas. Also beschloss er, ganz offiziell ein Café zu eröffnen.

Im Café Flamme Rouge gibt es unter anderem frisches Brot, aerotherm gerösteter Kaffee, Kuchen, Croissants und selbstgemachte Marmelade. © Larissa Hamann

Wer einen Blick hinter den Tresen im Café Flamme Rouge erhascht, entdeckt das Büro von Andreas. Dort werden die Fahrten der Kuriere organisiert. In zwei Schichten, von 8 bis 13 Uhr und von 13 bis 18 Uhr düsen die Lieferanten durch die Stadt. Je nach Bedarf mit Rucksack, Transportrad, auf dem größere Lieferungen untergebracht werden können, oder Lastenrad, in das bis zu zwei Personen hinein passen würden. An Unternehmen liefern sie natürlich auch Kaffeebohnen. Den frisch aufgebrühten Kaffee gibt’s in der Lenaustraße 27.

  • Café Flamme Rouge
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