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Sei zu Gast im Hostel Mannheim

Sei zu Gast im Hostel Mannheim

Daniela Steinbrenner
Willkommen im Hostel Mannheim. Julian bereitet allen einen herzlichen Empfang. © Stefanie Maier

Ein besonderer Ort, wo mehrere Nationen aufeinander treffen: Das ist eines der Erlebnisse, die einen Aufenthalt in einem Hostel so besonders machen. Genau diese Erfahrung hat auch Julian Leiser gemacht.

So hat er sich während seiner Zeit in Irland inspirieren lassen und beschlossen sein eigenes Hostel zu eröffnen. Der Weg war lange und nicht immer einfach, doch nach viereinhalb Jahren erfüllte sich der 30 Jährige seinen Traum und eröffnete im Mai diesen Jahres das erste Hostel in Mannheim.

Seit der Eröffnung vor wenigen Monaten haben bereits Gäste aus 64 Ländern im Hostel übernachtet. Was hinter seinem ganz persönlichen Hostel-Konzept steckt, verrät er uns im Interview.

Das Hostel Mannheim ist das einzige in der Stadt. © Stefanie Maier
Das Hostel Mannheim ist das einzige in der Stadt. © Stefanie Maier

Wie kam es denn zu der Idee, ein Hostel in Mannheim zu eröffnen?

Julian: „Ich bin viel und gerne in Irland unterwegs. Da ist es normal, dass es überall ein Bed and Breakfast oder Hotel gibt. Mit Mannheim als meiner Homebase während meiner Zeit beim Bund, dachte ich mir, dass das hier wirklich fehlt. Der Wunsch war dann einfach da. Ich bin zudem auch gerne Gastgeber. Deshalb kam mir die Idee, das Private ins Berufliche umsetzen zu können.

Natürlich hatte ich auch Hilfe bspw. von der Besitzerin des Lotte Backpackers Hostel aus Heidelberg. Sie hat mir da ganz viel Input gegeben und gezeigt, was man bei der „hostel experience“, wie der Reinigung oder den Betten, alles so beachten muss. Von dieser Expertise konnte ich echt viel mitnehmen.“

Wie war so das Feedback der ersten Gäste?

Julian: „Am Tresen gehe ich mit den Leuten in den Austausch. Woher kommen sie, was haben sie in Mannheim für Pläne und was sind sie von Hostels bereits gewöhnt? Viele erwarten bei einem Hostel nur einen Schlafplatz, ein Bett, mehr nicht. Das Feedback, was ich bisher bekommen habe, war super.

Einige haben es als „5 Sterne Hostel“ betitelt, da es von der Norm schon abweicht: Wifi Highspeed, bezogene Betten, einen Fernseher mit Netflix und Gratisnutzung der Waschmaschine. Viele kommen hier her und sind am Anfang geflasht, weil sie das nicht erwartet haben. Einige verlängern dann sogar ihren Aufenthalt. Hier herrscht so ein bisschen WG-Flair. Das ist genau das, was ich will. Es fühlt sich für mich auch definitiv nicht nach Arbeit an und ich lebe meinen Traum. Wer kann das heute noch sagen?“

Der großzügige Lounge-Bereich lädt zum Verweilen ein. © Stefanie Maier
Der großzügige Lounge-Bereich lädt zum Verweilen ein. © Stefanie Maier

Sobald man an der Rezeption angekommen ist, wird einem durch die fliegenden Kerzen an der Decke oder dem „Wanted“-Schild an der Wand klar, dass es im Hostel Mannheim ein bestimmtes Thema gibt. Durch Zufall fielen Julian bei der Besichtigung des Gebäudes die verschiedenfarbige Böden in den Farben rot, grün, blau und gelb auf. Da war ihm klar, da muss das Hogwarts-Thema aufgegriffen werden. So kommt es dazu, dass man während des Check-Ins, abhängig vom Stockwerk entweder Gryffindor, Hufflepuff, Ravenclaw oder Slytherin zugeteilt wird. Für Harry Potter Fans also ein richtiger Hingucker!

Doch auch in allen anderen Belangen hat Julian Liebe zum Detail gezeigt. 200m Stoff. 10.000km Garn. So viel hat es neben Zeit und Ausdauer gebraucht, die Vorhänge für die Dorm-Betten zu nähen. Im Hostel steckt insgesamt viel Arbeit von Julian. Er probiert sich am Nähen, Zimmern und Inneneinrichten. Darüber hinaus war er selbst auch an der Gestaltung der Website und des Logos beteiligt. Er selbst bezeichnet das Hostel Mannheim als sein großes persönliches Wohnzimmer.

Jeder Stock hat eine Gemeinschaftsküche, einen Aufenthaltsraum und eigene Bäder. Alles ist in einem modernen warmen WG-Flair eingerichtet. Im Frauenstockwerk gibt es zusätzlich noch einen Schminktisch. Die Räume sind von der Einrichtung mehr an Hotelstandards angelehnt als im Vergleich zu anderen Hostels. Von elektrischen Fensterläden bis hin zu Klimageräten ist alles vorhanden.

Jede Etage hat eine eigene Gemeinschaftsküche. © Stefanie Maier
Jede Etage hat eine eigene Gemeinschaftsküche. © Stefanie Maier

Noch steht das Hostel Mannheim in keiner Kooperation mit dem Touristik Informationsstelle oder anderen großen Partnern aus Mannheim. Als echter Mannheimer kennt sich Julian aber gut aus, um für fast jede Anfrage die richtige Empfehlung zu geben. Dafür hat Mannheim auch viel zu bieten, sei es kulturell, kulinarisch oder einfach nur die Clubszene. Dem stimmt auch Julian zu.

„Die Gäste sind meistens überrascht von dem, was Mannheim so zu bieten hat. Es kommen Fragen wie: Was kann man hier machen? Was ist for free? Eigentlich sind sie hier nur mit der Intention gekommen eine Nacht zu pennen, aber merken schnell, dass die Stadt der Knaller ist! Überall ist Musik und Leben. Viele beschweren sich, dass es nachts laut wäre, aber ich bin dankbar dafür. Denn das zeigt uns, dass unsere Stadt noch lebt!“, sagt er.

Die lockeren Gespräche mit seinen Gästen, welche die ein oder andere Frage haben, lassen ihn förmlich in seinem Element aufgehen. Um seinen Gästen noch den ein oder anderen Wunsch erfüllen zu können, hat sich Julian Gedanken gemacht. Mit einer kleinen Minibar am Empfang kann man gegen die Hitze etwas für jeden Geschmack finden.

„Wir haben hier auch eine teure Kaffeemaschine, die nur darauf warten morgens beim Frühstück eingesetzt zu werden“, lacht Julian und erklärt, dass es auch ein kleines Müsli Cornflakes-Frühstück auf Wunsch bei ihm gibt. Generell sind folgende inklusive im Preis bei ihm miteinbegriffen: Bettwäsche, Handtücher, Highspeed WLAN, Waschmaschine, Trockner, Bügeleisen. Da wundert es uns nicht, dass er bei seinen bisherigen Bewertungen auf booking und co. mit Bestbewertung glänzt.

Die Rezeption lädt gleichzeitig als kleine Bar ein. © Stefanie Maier
Die Rezeption lädt gleichzeitig als kleine Bar ein. © Stefanie Maier

Generell sind Gäste in Hostels nur für kurze Zeit. Ihr bietet aber auch Langzeitbuchungen an. Was war da der Hintergedanke?

Julian: „Das wird eher seltener angefragt. Es ist uns auch aus dem Grund nicht oft möglich, da wir in letzter Zeit einfach ausgebucht sind *lacht*. Und es wird immer mehr. Aber generell stehen wir auch für Mannheimer offen vorbeizuschauen.“

Ihr bietet auch auf eurer Website Zimmer für Junggesellenabschiede an. Habt ihr für die Zukunft weitere dieser Art geplant?

Julian: „Bei Männer Junggesellenabschieden, wie auch in meinem Freundeskreis, ist es üblicher in Großstädten zu feiern, wie Barcelona, Neapel, Prag. Da kommen wir meistens in Hostels unter. Da ich daher das „Problem“ mit dem Check-Out um 9 Uhr kenne, ist das bei mir anders. Hier kann man entspannt länger ausschlagen und erst um 11 Uhr auschecken. Wir hatten jetzt mehrere Junggesellenabschiede hier im Hostel und die bekommen auch ein Getränk auf uns oder das Stockwerk auf Wunsch dekoriert. Die bisher bei uns waren, haben das sehr gefeiert!“

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Was ist los in Mannheim? Hier wird man mit Informationsmaterial und Karten versorgt. © Stefanie Maier
Was ist los in Mannheim? Hier wird man mit Informationsmaterial und Karten versorgt. © Stefanie Maier

Man geht davon aus, dass eher jüngere Leute, die Geld sparen wollen, in Hostels gehen. Wie sieht denn so deine Kundschaft aus? 

Julian: „Das ist wirklich unterschiedlich. Wir hatten vor kurzem eine Schulklasse zu Besuch, aber es gab auch schon Gäste, die fast an die 90 Jahre waren. Klar, das Durchschnittsalter ist so 25-30 Jahre. Auch viele Mädels buchen hier und als der Hackathon stattfand: Da war es voll mit Internationals. Ich hätte auch nicht mit so vielen Backpackern gerechnet. Durch die Bank ist alles dabei. Am Anfang habe ich die Leute verteilt, aber ich bin dazu übergegangen sie in ein Stockwerk zu stecken, da sie genau dafür da sind. Für den Austausch. Das macht ein Hostel aus. Dadurch dass ich auch Schwestern habe, hat das mich dazu verleitet auch ein reines Frauenstockwerk einzuführen. Da können die Frauen, die sich so wohler fühlen, unter sich sein.“

Wie sieht es preislich bei dir mit den Zimmern aus?

Julian: „Es kommt darauf an worüber man bucht. Das 6-Bettzimmer kostet 36 Euro und das 4-Bettzimmer 41 Euro die Nacht. Da ist auch schon alles an Serviceleistungen wie Bettwäsche, Wlan und Frühstück mit drinnen. Hier muss man nicht wie bei einer Jugendherberge Mitglied sein oder Aufpreis für Wlan zahlen. Auf booking und hostelworld sind wir teurer, da sie noch einen Aufschlag anrechnen. Wer clever ist und über die Homepage bucht, spart sich da so einiges.“

Was für ein Mensch muss man sein, um sich bei euch als Gast wohlzufühlen?

Julian: „Alle. Ausnahmslos. Wer Bock auf eine gute Zeit aber keine Lust auf ein Hotelzimmer hat, ist hier bei uns gut aufgehoben.“

Daniela im Gespräch mit Hostel Gründer Julian auf der Dachterrasse. © Stefanie Maier
Daniela im Gespräch mit Hostel Gründer Julian auf der Dachterrasse. © Stefanie Maier
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