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Liebeserklärung an ein lebendiges Dorf namens Wallstadt

Liebeserklärung an ein lebendiges Dorf namens Wallstadt

Café, Eisdiele, Restaurant, Einzelhandel und jeden Donnerstag der Wochenmarkt: der Marktplatz in Wallstadt ist zentraler Treffpunkt. © Michael Ruffler

von Peter W. Ragge

„Mein Dorf“ sage ich oft. Auf den Satz „Ich fahre zurück in mein Dorf“ nach Terminen in der Stadt ernte ich dann oft verwirrte Blicke, und manch einer findet die Bezeichnung „Dorf“ für einen Mannheimer Stadtteil komisch, ungewohnt, ja abschätzig.

Doch das ist es nicht. Es ist liebevoll gemeint – so wie dieser Text eine Liebeserklärung an dieses beschauliche Dorf namens Wallstadt ist.

Vom Zugezogenen zum „Neigoob“

„Mein Dorf“ darf ich noch nicht lange sagen. Wer hier zuzieht, ist für Alteingesessene ein „Neubürger“, was sich zunächst wie Abgrenzung anhört.

Vor über 30 Jahren war das noch viel, viel stärker als heute. Familiäre Wurzeln in Käfertal und Feudenheim machten Wallstadter zudem skeptisch, denn mit Bewohnern jener beiden Nachbarorte haben sich die Jungs früher oft „gekloppt“, wie es hieß und noch heute erzählt wird.

Wer sich aber in Wallstadt einbringt, auch als Zugezogener, wird dann irgendwann – etwa vom Ortshistoriker Stefan Alles – als „Neigoob“ bezeichnet. Das kommt einem Ritterschlag gleich.

„Nei“ steht für neu. Mit dem Uznamen „Goob“ oder „Gowe“ – wovon der Name des sehr aktiven Karnevalsvereins rührt – hat man im 19./20. Jahrhundert in den Nachbarorten die Wallstadter bezeichnet, weil sie häufig mit Vorname Jakob hießen, in der Mundart verkürzt zu „Goob“.

Tradition ist hier wichtig - das zeigt der Maibaum. © Michael Ruffler
Tradition ist hier wichtig – das zeigt der Maibaum. © Michael Ruffler

Tradition ist wichtig

Das zeigt: In Wallstadt ist Tradition wichtig. Archäologische Ausgrabungen haben bewiesen, dass der Ort zu den ältesten besiedelten Plätzen der Region gehört. Schon in der Jungsteinzeit lebten hier Menschen.

Der älteste Bogen der Welt ist auf Wallstadter Gemarkung (heutiger Vogelstangsee) gefunden und 17 600 Jahre zurückdatiert worden. Die älteste urkundliche Erwähnung findet sich am 8. März 766 als „Walahastath“ im Lorscher Kodex.

Ab 1288 zählt der Ort zur Kurpfalz, ab 1369 gibt es einen eigenen Schultheiß.

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Entlang der Langen Rötterstraße findet sich immer ein schattiges Plätzchen. © Lisa Wazulin

Darauf fußt bis heute das Selbstbewusstsein. „Die Stadt“ ist – gefühlt – für manche alten Ortsbewohner sehr weit weg. Da die Eingemeindung Wallstadts zu Mannheim erst 1929 erfolgt, lebten bis vor kurzem noch ein paar Wallstadter, die den Verlust der Eigenständigkeit persönlich miterlebten – und bedauerten.

Dörflicher Charakter

Über all die Jahrhunderte hat sich Wallstadt seinen dörflichen Charakter bewahrt. Es ist einer der drei kleinsten Mannheimer Stadtbezirke – ein durchweg liebens- und lebenswerter Stadtteil: gemütlich, doch keineswegs ein verschlafenes Nest.

Ein höchst lebendiges, abwechslungsreiches Vereinsleben, zwei sehr rührige Kirchengemeinden sowie der Arbeitskreis Heimatgeschichte bilden die Basis für ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl, viele Aktivitäten und Angebote sowie funktionierende Nachbarschaftshilfe.

Dabei zahlt sich eine höchst angenehme Sozial- und Bevölkerungsstruktur aus. Die Migrationsquote, die Zahl der Sozialhilfeempfänger, die Kriminalitätsrate – all das ist äußert niedrig, die Wahlbeteiligung in Wallstadt dafür so hoch wie in keinem anderen Stadtteil.

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